Die anthroposophischen Heilmittel werden den Naturreichen (Mineral-,  Pflanzen-, Tierreich) entnommen und durch verschiedene pharmazeutische Prozesse den im Menschen stattfindenden Prozessen ähnlich gemacht, so dass damit die Selbstheilungskräfte der menschlichen Wesensglieder angeregt und unterstützt werden können.

Rudolf Steiner wies darauf hin, dass der Mensch im Laufe seiner langen Entwicklungsgeschichte die Naturreiche (Mineralreich, Pflanzenreich, Tierreich) aus sich heraus gesetzt habe. Die ganze Natur sei ein ausgebreiteter Mensch.

Deshalb sei der Mensch, obwohl die Naturreiche nunmehr objektiv außerhalb seiner selbst existieren, dennoch untrennbar mit diesen verbunden und sein Wohlergehen hänge sehr davon ab, dass er mit diesen Reichen in harmonischem Einklang stehe. Die Kräfte dieser Reiche, also der Mineralien, Pflanzen, Tiere, können ihm im Krankheitsfall von unschätzbarem Wert sein.

Dies sei auch deswegen möglich, weil diese Bereiche frei von Ahrimans und Luzifers Einflüssen geblieben sind.

Die AM spricht bei Krankheiten von gestörten Prozessen: z.B. Leberprozess, Nierenprozess, Lungenprozess usw. Gleichartige Prozesse existieren lt. Rudolf Steiner jedoch nicht nur im menschlichen Wesensgefüge, sondern auch in den Naturreichen, die ja, wie wir gesehen haben, sehr eng mit dem Menschen verbunden sind. Dank seiner Hellsichtigkeit war es Rudolf Steiner möglich, in den Naturreichen Prozesse zu finden, die den menschlichen Prozessen entsprechen oder zumindest sehr ähnlich sind. Die Kunst der AM besteht nun unter anderem darin, die in der Natur existierenden Prozesse aus dieser herauszulösen und derart aufzubereiten, dass sie im menschlichen Organismus zur Wirkung kommen können. Auf diese Weise kann beispielsweise der in den Menschen verlagerte Prozess einer bestimmten Pflanze, der eben dem menschlichen Lungenprozess entspricht, den erkrankten Lungenprozess eines Menschen wieder in Ordnung bringen.

Selbstverständlich entnehmen auch die Schulmedizin und die Ganzheitsmedizin ihre Wirkstoffe den Naturreichen. Ihre Vorgehensweise ist empirisch (trail & error). Beide medizinischen Bereiche besitzen leider keine Kenntnis über die Verwandtschaft von Natur, Tier und Mensch oder genauer gesagt: von Mineralreich, Pflanzenreich, Tierreich und Menschenreich. Sie finden mit ihrer Methode zwar heraus, dass ein bestimmter Stoff  bestimmte Wirkungen (und Nebenwirkungen) hat; es kümmert sie jedoch nicht, warum das so ist. Man ignoriert einfach die großen Zusammenhänge, die Steiner aufgezeigt hat. Man nimmt sie seit ca. 80 Jahren kaum zur Kenntnis.

Ja, die Vertreter der Naturwissenschaft, deren Grundlage der Materialismus ist, halten Steiner eher noch immer für einen Narren und entwickeln ihre Arzneimittel lieber weiterhin auf dem langen und teuren Wege von trial & error, halten dabei Tierversuche für unerlässlich und entwickeln schließlich meist doch nur Medikamente, die zwar wirken, die aber auch die allseits gefürchteten Nebenwirkungen aufweisen (Bittere Pillen).

Letzteres ist bei vorschriftsmäßig hergestellten und korrekt verabreichten anthroposophischen Heilmitteln ausgeschlossen.

Die große Anzahl der potenzierten anthroposophischen Heilmittel könnte die Meinung aufkommen lassen, hierbei handele es sich auch um eine Art Homöopathie. Steiner hat Hahnemann, der die Homöopathie vor über 200 Jahren entwickelt hat, zwar sehr geschätzt, aber er formulierte das Hahnemannsche Motto Gleiches mit Gleichem behandeln wie folgt um:

    Dasjenige, was in großen Mengen im unteren Menschen
    (im Gliedmaßen-Stoffwechsel-System) krankmachend wirkt,
    wirkt in kleinen Mengen vom oberen Menschen (Nerven-
    Sinnes-System) aus gesundmachend und umgekehrt.

    (Zugegeben, das ist schon etwas schwer zu verstehen, aber das ganze Leben ist halt kompliziert.)

In der AM werden vor allem Dezimalpotenzen verabreicht. In der Regel kommen nur Potenzen bis D30 zur Anwendung. Durch die Potenzhöhe wird den Medikamenten eine bestimmte Wirkensrichtung vorgegeben:

  1. Tiefe Potenzen von D1 – D6 wirken im Gliedmaßen-Stoffwechsel-
    Bereich
    .
  2. Mittlere Potenzen von D8 – D15 wirken im Herz-Lungen-Bereich.
  3. Hohe Potenzen von D20 – D30 wirken im Nerven-Sinnes-Bereich.

Im Unterschied zur Herstellung von Heilmitteln der klassischen Homöopathie wird bei der Herstellung anthroposophischer Heilmittel meist von Hand geschüttelt, und nicht nach unten, sondern waagrecht ( Fa. Weleda) oder nach oben (Fa. Wala). Die Schüttelzeiten sind unterschiedlich und werden von den Ausgangsstoffen bestimmt. Beim Schütteln werden auch die Einflüsse der Tageszeiten und Gestirnkonstellationen berücksichtigt.

Spezielle Präparate sind die vegetabilisierten Metalle (metallgedüngte Pflanzen) und die Metallspiegelpräparate.